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“Wer in seinem Leben immer alles im Griff haben muß, vergreift sich leicht an seiner Lebendigkeit.”

Ernst Ferstl, österreichischer Lehrer und Dichter

Essstörungen (Anorexie, Bulimie, Binge-Eating)

Menschen mit Essstörungen verhalten sich sehr unterschiedlich. Sie essen so gut wie gar nichts und treiben exzessiv Sport (Anorexie, auch als Magersucht bezeichnet), stopfen alles in sich hinein, um es danach wieder zu erbrechen oder durch starke körperliche Bewegung oder Fasten wieder abzubauen (Bulimie) oder behalten nach den Fressanfällen das Gegessene bei sich (Binge-Eating-Störung).

Das Verhalten ist unterschiedlich, aber es dreht sich immer nur um eins: das Essen. Von morgens bis nachts kreisen die Gedanken um dieses Thema. Das führt zu Kontaktverlust und Isolierung, Ängsten, Depressionen, Minderwertigkeitsgefühlen und Selbstverachtung.

Da Essen etwas körperliches ist, leidet der Körper auch insgesamt unter dem extremen Essverhalten. Bei anhaltender Mangelernährung werden Reserven an Muskel- und Fettgewebe, auch bei inneren Organen wie Nieren und Herzmuskel, abgebaut. Der Herzschlag verlangsamt sich, die Schilddrüse wird herunterreguliert und die Menstruation fällt aus. Führt man selbst häufiges Erbrechen herbei, dehydriert der Körper. Ein Verlust an Kalium und Natrium mit schwerwiegenden Folgen für Nierenfunktion und Herztätigkeit sind die Folge. Auch Thrombosen mit der Gefahr einer Lungenembolie, eines Herzinfarkts oder Hirnschlags sind möglich. Ebenso wie Zahnschäden und eine Schädigung der Schleimhaut der Speiseröhre. Durch die Fressanfälle können Magenerweiterungen oder sogar Durchbrüche von Magen oder Speiseröhre vorkommen.

Die Ursachen für eine Essstörung können ganz unterschiedlich sein, aber sie beinhalten oft das Thema “Kontrolle”. Das deuten die Symptome ja auch schon an: entweder das Essverhalten wird zu massiv kontrolliert oder die Kontrolle ist verloren gegangen. Auch wenn stark kontrolliert wird, tut man das, weil vorher die Kontrollmöglichkeit nicht gegeben war oder drohte, abhanden zu kommen. Mit “Kontrolle” ist die Kontrolle über das eigene Leben und Erleben gemeint. Das kann beispielsweise durch überfürsorgliche oder sehr dominante Eltern geschehen sein, durch große Erwartungshaltungen der Eltern oder Eltern, die solch ein Verhalten vorleben, durch Alkoholismus oder Nichtachtung in der Ursprungsfamilie, durch das Erleben von Traumata und ähnlichem.

Kontrolle über das eigene Leben zu haben ist ein Grundbedürfnis. Nur das “zu” (zu wenig, zu viel) macht die Schwierigkeiten aus. Bei Essstörungen geht es in der Therapie, so wie ich sie durchführe, um das Wiedererlangen der Möglichkeiten, das eigene Leben zu steuern, statt das Essverhalten steuern zu wollen. Es geht um Selbstannahme und Selbstwertschätzung. Und natürlich gehört zur Therapie auch, sich selbst und seinen Körper besser wahrnehmen zu können. Dazu setze ich Kunsttherapie, die Arbeit mit inneren Anteilen, Hypnose (auch zur Entlastung bei körperlichen Problemen) und Achtsamkeitsübungen ein.