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“Bedenke gut, was deine Kraft vermag und was über deine Fähigkeit hinaus geht.”

Horaz 65 - 8 v.Chr., bedeutender römischer Dichter

Burnout / Chronisches Erschöpfungs-Syndrom

Burnout ist heutzutage in aller Munde. Ein Damoklesschwert, das über denen schwebt, die viel Energie in ihre Arbeit stecken wollen oder auch müssen, weil die Konkurrenz schon vor der Tür steht oder weil sie in einem helfenden Beruf meinen, es ginge nicht anders als dauerhaft im Einsatz zu sein. Aber diese Erkrankung trifft nicht nur diejenigen, die zu viel arbeiten, sondern auch Menschen, die das nicht tun und wo man sich zuerst gar nicht erklären kann, wieso plötzlich gar nichts mehr geht.

Gehen wir zuerst zur Symptomatik. Der Begriff "Burnout-Syndrom" setzt sich aus zwei Teilen zusammen: "Burnout" und "Syndrom". "To burn out" heißt auf deutsch ausbrennen. Wenn etwas ausgebrannt ist, scheint nichts mehr übrig geblieben zu sein. Alles, was vorher da war, ist bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Und so fühlt man sich auch mit einem Burnout. Man steht vor einem Trümmerhaufen. Was vorher Freude oder Sinn gegeben hat, kommt einem jetzt sinnlos vor. Man versucht es, kann sich aber zu nichts aufraffen oder funktioniert nur noch irgendwie. Hinzu kommen aber auch körperliche Symptome wie massives Erschöpftsein, körperliche Schwäche, Müdigkeit, Schlafstörungen oder dauernd schlafen können, Magen-Darm-Probleme, Muskelverspannungen, Kopfschmerzen, Herzklopfen oder -stolpern, plötzlich aufkommende Ängste, Konzentrationsschwierigkeiten, usw. Diese vielfältige Symptomatik wird als Syndrom bezeichnet.

Das Burnout-Syndrom wurde schon 1974 vom amerikanischen Psychotherapeuten Herbert J. Freudenberger beschrieben, ist aber bis heute keine wissenschaftlich anerkannte medizinische Diagnose. Vielleicht auch deshalb, weil es Ähnlichkeiten mit einer Depression hat. Wenn man allerdings einmal an einem Burnout gelitten hat, weiß man, dass es da einen Unterschied gibt. Bei der Depression steht das Gefühl der Sinnlosigkeit im Mittelpunkt, beim Burnout würde man gerne, kann aber nicht.

Unterscheiden möchte ich zwischen Burnout, der ganz klar auf Überarbeitung zurückzuführen ist und Burnout, der keine klare Ursache hat. Zu viel Arbeit kann man reduzieren und an seiner Einstellung zu Arbeit und Leistung feilen. Burnout-Symptome, die diese Ursachen nicht aufweisen, müssen anders angegangen werden. Hierzu ein paar Worte zum chronischen Erschöpfungssyndrom (CFS), das meiner Meinung nach die gleiche Symptomatik beschreibt. Diese Symptomatik tritt nachgewiesenermaßen häufig nach Pfeifferschem Drüsenfieber auf bzw. nach Erkrankung am Epstein-Barr-Virus, wobei man noch nicht einmal gemerkt haben muss, dass man daran erkrankt war. Auslöser für eine (eventuell sogar massive) Verschlechterung des Gesundheitszustandes können Stresssituationen psychischer oder körperlicher Art sein. Auch eine Coronavirus-Erkrankung kann die Symptomatik auslösen (wird häufig als "Long Covid" bezeichnet).

Da ich selbst jahrelang am Chronischen Erschöpfungssyndrom gelitten habe, kenne ich die enorme Not, in der man sich befindet und die Hilflosigkeit der Ärzte. Da diese Form von Burnout oder CFS (es ist ja egal, wie man es letztendlich nennt) eine ursprünglich körperliche Erkrankung ist, die körperliche und psychische Symptome aufweist, muss sie auch ganzheitlich betrachtet werden. Psychische Unterstützung, Stressmanagement, besserer Umgang mit den eigenen Grenzen, Entspannung und Achtsamkeit, Ernährungsumstellung, Wiederfinden eines Sinns im Leben und eine bessere Beziehung zu sich selbst, seinen Bedürfnissen, seinen Möglichkeiten, seinen Empfindungen helfen, aus dieser Abwärtsspirale wieder nach oben zu kommen.